Fruits & Vegetables Challenge

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Von Dana Basnar, Übersetzerin bei CREATIVE TRANSLATION und Native English Speaker

Wer diesen Titel liest, denkt wahrscheinlich zuerst an die Aufforderung, aus Gesundheitsgründen täglich 5 Portionen Obst und Gemüse zu konsumieren. Aber als Übersetzerin kann ich bezeugen, dass Obst und Gemüse auch ganz andersartige Herausforderungen mit sich bringen können, als dem Vitaminmuffel zunächst bewusst sein mag.

Ein aktuelles Übersetzungsprojekt eines unserer Kunden, vom Deutschen ins Englische, dreht sich um die verschiedensten Obst- und Gemüsesorten, sowie um Rezepte, wo diese verwendet werden. Hier können kleinste sprachliche Haken mich ungeahnt aufhalten – aber auch Teamgeist fördern und jedenfalls den Horizont erweitern!

Zum Beispiel wird im Ausgangstext ganz nebenbei die österreichische Speise „Kürbisgemüse“ zitiert, als eine Möglichkeit, Kürbis auf den Tisch zu bringen. Nur: Wie überträgt man das ins Englische? Übersetzte Beispiele, die ich im Internet auftreiben konnte, nennen es recht einfallslos „pumpkin vegetable“, was für englischsprachige Ohren komisch klingt und worunter man sich auch nicht wirklich etwas vorstellen kann. Also saßen wir als ganzes Team herum und andere Arbeiten blieben liegen, während wir die Möglichkeiten sondierten: „pumpkin dish“? „pumpkin stew“? „pumpkin goulash“? Wenn der englischsprachige Leser schließlich die ausgesuchte Phrase „pumpkin ragout“ liest, wird er vom Zeitaufwand und von der Teamarbeit zwar nichts mitbekommen – aber er wird sich unter dieser Übersetzung etwas vorstellen können.

Kürbis brachte aber auch andere Herausforderungen mit sich. Im Deutschen ist Kürbis der Sammelbegriff für alle Cucurbita, aber im Englischen unterscheidet man zwischen „pumpkins“ and „squashes“. (Grob gesagt sind pumpkins die runden, aus denen man zu Halloween Laternen schnitzt, und alle anderen sind squashes.) Bei vielen Sätzen genügte die schlichte Erweiterung auf „pumpkins and squashes“, wenn von Kürbissen die Rede war. Aber was ist mit Zucchini? Diese Gemüseart hat im Englischen mehrere Namen, und kann zudem je nach britischer oder amerikanischer Verwendung zucchini, courgette, marrow,oder summer squash heißen!

Aber es kann auch umgekehrt sein. Mein zu übersetzender Text distinguiert fleißig zwischen Kraut und Kohl, eine Unterscheidung, die es im Englischen in der Form gar nicht gibt. Hier heißen alle Arten schlicht „cabbage“, und sie werden nur nach ihren Beinamen und Farben weiter unterschieden. Notwendige Recherchen für diesen Textteil machten mich beinahe zu einer „cabbage expert“.

Meine Aufgabe als Übersetzerin ist, bei der Übertragung des Textes so gut es geht im Hintergrund zu bleiben. Der Text soll nicht „übersetzt“ klingen, und ich möchte so selten wie nur möglich selber auf die Bühne steigen mit Fußnoten oder Erklärungen in Klammern. Das mag bedeuten, dass ich ein paar Wörter hinzufügen muss, die im Ausgangstext nicht vorkommen, damit dem englischsprachigen Leser die Bedeutung klar ist. Oder die englische Übersetzung wird still und heimlich eingekürzt: z.B. im Falle von „Herbstrüben, auch als Weiße Rüben bekannt“ – die, da mir auf Englisch nur ein einziger passender Name bekannt ist, kurz und knapp auf „turnips“ reduziert wurden.

Übersetzung ist also alles andere als nur eine trockene Hirntätigkeit. Ich lerne laufend dazu, tausche mich mit meinen Kolleginnen aus, und darf manchmal auch herzlich lachen. So gestern, als es um ein Rezept ging, wo die Speise „mit dem ausgelassenen Speck“ angerichtet werden sollte. Meine Recherchen förderten eine Übersetzungsblüte aus dem Internet zu Tage: da hat jemand „ausgelassenen Speck“ tatsächlich mit „playful bacon“ wiedergegeben!

Wenn das kein Grund ist, Übersetzungen lieber unserem Team bei CREATIVE TRANSLATION anzuvertrauen!